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Ihre süddeutsche Galerie für den Kauf und Verkauf von Joseph Pilartz

Joseph Pilartz

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Joseph Pilartz

1891 Köln - 1974 Wasserburg am Inn

„»Pilartz, neben Otto Geigenberger wohl der bedeutendste Wasserburger Maler aus der ersten Hälfte und Mitte dieses Jahrhunderts, wird Seltenheitswert behalten. Wer Bilder von ihm für die Öffentlichkeit sichert, erwirbt sich ein Verdienst«, schrieb Hans Heyn im Nachruf auf den 1974 verstorbenen Künstler. Der 100. Geburtstag, den Joseph Pilartz im April hätte begehen können, ist Anlaß, daß das städtische Museum im Heimathaus in seiner Ausstellungsreihe „Wasserburger Maler der Vergangenheit“ derzeit (bis 1. September) Werke des Malerehepaares Joseph Maria Pilartz und Hedwig Pilartz-Emmel präsentiert.

Joseph Pilartz gehört neben Karl Staudt, Hermann Schlittgen und Karl Wähmann zu jenen Malern, die während und nach dem Ersten Weltkrieg in Wasserburg ihre künstlerische Heimat gefunden haben. Geboren als zweites von zehn Kindern einer Handwerksfamilie in Köln, ging Joseph bei seinem Vater, der vornehmlich Särge herstellte, in die Schreinerlehre, während der älteste Sohn die Kölner Werkschule besuchen durfte und ein namhafter Bildhauer wurde. Während seiner Wanderjahre als Geselle kam Joseph vor allem in die Schweiz und besuchte dort die Kunstgewerbeschulen in Zürich und Bern, nachdem er bereits in Köln Abendkurse an der Kunstgewerbeschulen belegt hatte. Nach 1910 finden wir ihn in München, wo er im dritten Bayerischen Fußartillerie-Regiment seine zweijährige aktive Militärzeit ableistet. 1914 rückte er als Unteroffizier ins Feld und wurde wegen seiner Fähigkeit, die Formationen einer Landschaft mit wenigen Strichen zu zeichnen, als vorgeschobener Artilleriebeobachter eingesetzt, was nahezu einem Himmelfahrtskommando gleichkam. Aber der hagere, langaufgeschossene Pilartz war ein Soldat, bei dem sich Pflichtgefühl mit persönlichem Mut verband.

Nach dem Krieg setzte er seine künstlerische Ausbildung zunächst am Bauhaus in Dessau fort, wo er unter Protest mit 15 Gleichgesinnten austrat, weil „deutschstrebende Kräfte unterdrückt wurden“. Seine Haltung machte ihm auch an der Akademie Kassel zu schaffen, wo er als Vorsitzender des Studentenausschlusses vom preußischen Kultusminister gemaßregelt wurde. Nur durch das Eintreten seines Lehrers, des Akademiedirektors K. Bantzer, ermöglichte ihm ein Bleiben.

Nach dem Abschluss seines Studiums begab er sich auf die Suche nach einer künstlerischen Heimat und durchwanderte die karge Landschaft der Schnee-Eifel. Schließlich zog es ihn wieder nach München, von wo aus er am 20. August 1925 nach Wasserburg übersiedelte und sich in der Fletzingergasse 14 im ausgebauten Dachgehschoß ein Atelier einrichtete, das ihm den Blick auf die zerfetzten graugelben Kieshalden der Innleite und die saftigen-grünen Hangwälder an ihrem Fuß freigab. Kunstrezensenten erwähnen als bemerkenswerte Sonderheit seinen großen Vollbart, seine schweren, genagelten Schuhe und sein karges Leben, bei dem er als Junggeselle selbst kochte und sogar Brot buk.

1936 heiratete er dann die aus Schöningen bei Mönchen-Gladbach gebürtige Malerin Hedwig Emmel. Möglicherweise bestand zu ihr schon eine Bekanntschaft aus der Zeit des Studiums, denn auch Hedwig Emmel hatte in Kassel bei K. Bantzer und K. Nebel ihre Ausbildung erhalten. Obwohl ihre Eltern, Metallwarenfabrikanten aus Schöningen, die Malerei ihrer Tochter als brotlose Kunst abtaten, ermöglichten sie ihr doch die Ausbildung.

Nach entbehrungsreichen Jahren im Wasserburger Atelier bezog das Ehepaar 1949 ein Häuschen in Weikertsham auf dem Moränenzug zwischen der Stadt und Eiselfing. Der Blick vom Atelierfenster in die weite Voralpenlandschaft mit den Bergen im Hintergrund blieb für Joseph Pilartz zeitlebens ein wesentliches Motiv, während seine Frau in den Blumen und Früchten ihres Gartens Anregungen für ihre Stillleben fand.

Bekannt durch Ausstellungen im In- und Ausland, Ankäufe von namenhaften Galerien und Sammlungen und geehrt durch Auszeichnungen, zuletzt durch den Kunstpreis der Stadt Wasserburg aus dem Jahre 1973, starb Joseph Pilartz am 26. Dezember 1974 im Alter von 83 Jahren. Hedwig Pilartz-Emmel verbachte die letzten Lebensjahre in Haag und starb am 15. November 1978. Beide haben ihre letzte Ruhestätte auf dem Wasserburger Altstadtfriedhof gefunden. […]

Anläßlich seines 65. Geburtstages würdigte der frühere Direktor der Städtischen Galerie München, Dr. Artur Rümann den Künstler Joseph Pilartz so: »Die Kunst Joseph Pilartz' ist nicht laut und steht nicht im Gefolge irgendeiner Moderichtung. Heiliger Friede herrscht in solchen Bildern. Wir wollen dem Manne, der uns dies alles zeigt und kundtut, nicht gram sein, daß er sich nicht mit den modernen Problemen abmüht, er hat ja andere Probleme schon lange gelöst: das technische der sicheren, sauberen Malerei, das künstlerisch-ethische, die Ehrfurcht vor der Allgewalt der Natur und ihres Schöpfers. Gerne lassen wir uns von ihm an die Hand nehmen, gerne vertrauen wir uns dem unbestechlichen Auge eines Künstlers an, der uns leichten Schrittes über jene Hügel und Täler führt in ein noch vorhandenes Paradies.« Hans Heyn spricht von »Bildern, die Geschichte sind« , »von einem Landschaftsmaler, der in der raschlebigen Zeit unseres Jahrhunderts bald zum Historiker« wird. In seinen Bildern der Landschaft ignoriert er die Attribute des technischen Jahrhunderts. Er schafft die Illusion einer heilen Welt, obwohl er ein scharfes und für das Umweltgeschehen kritisches Auge besitzt. In seinem Schaffen gibt es keine Stilwandluingen. Es ist von einer unverwechselbaren Eigenständigkeit. Mit einem Haarpinsel hat Pilartz das Filigranwerk der vor ihm liegenden Landschaft oder der Äste eines Baumes im Winter geschaffen. In den scheinbar realistischen Kompositionen steckt die Weite der Landschaft und der Hauch von Poesie, der den Arbeiten ihren Rang gibt. Darüber hinaus haben die Bilder eine kulturhistorische Bedeutung, da sie dem Betrachter eine Welt vermitteln, die schon lange nicht mehr die unsrige ist. Wer weiß wie Joseph Pilartz gemalt hat, daß er ein Vierteljahr und länger vor vor ein und derselben Leinwand saß, versteht, daß seine Bilder schon zu Lebzeiten Seltenheitswert besaßen.

Unverkennbar wie sein naiv-neoimpressionistischer Stil ist auch seine Maltechnik, bei der er ein Heißenkaustikverfahren verwendete, bei dem die Farben in eine Wachsschicht eingebettet werden. Daneben bediente er sich aber auch Mischtechniken und versuchte, die Ölfarben in einer Wachsverseifung einzubinden."

(Ferdinand Steffan, Bilder von Seltenheitswert für die Öffentlichkeit gesichert, Wasserburg präsentiert im städtischen Museum Gedächtnisausstellung von Joseph Pilartz und Hedwig Pilartz-Emmel, in: Oberbayerisches Volksblatt, 24.07.1991)
 

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