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Ihre süddeutsche Galerie für den Kauf und Verkauf von Friedrich Lommel

Friedrich Lommel

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Friedrich Lommel

1883 Erlangen - 1967 Rimsting

Künstlerpersönlichkeiten vom Chiemsee
Die Geschwister Lisbeth und Friedrich Lommel

„Ob man je einen Teil von dem erreicht, was einem vorschwebt?“[1] Diese Frage, die sie sich selbst als junge Künstlerin gestellt hat, hätte Lisbeth Lommel für sich wohl verneint – allerdings vielmehr aufgrund ihres eigenen Anspruchs und ihrer Bescheidenheit. „Ich bin so oft eine Wolkenwandlerin…“, offenbarte sie selbstkritisch.[2] Vielleicht hätte sie aber auch erwidert, dass es darauf letztlich gar nicht ankäme. Schließlich malte sie nicht, um mitzuteilen und gesehen zu werden, sondern allein um sich auszudrücken. Auch deshalb beschickte sie nur selten Ausstellungen oder war gar dazu bereit, ein Werk zu veräußern, obwohl ihr das Geld durchaus willkommen gewesen wäre. Zudem wollte sie ihre Zeit nicht für langwierige Ausstellungstätigkeiten opfern, wenn sie sich doch stattdessen der Malerei widmen konnte. „Malen, meine einzige wirkliche Lebensfreude“, bekannte sie.[3] „Niemand kann mir den Wert, das Glück meines Lebens nehmen, die Freude all der Jahre des ehrlichen Schaffens vor der herrlichen Natur.“[4] Nicht selten war es ihr Bruder Friedrich, der sie zu einer Beteiligung an einer Schau aufforderte und sie dabei tatkräftig unterstützte.

Die beiden Geschwister Friedrich (1883-1967) und Lisbeth Lommel (1877-1970) entstammen einer gutbürgerlichen Familie, die aus insgesamt sieben Kindern bestand. Die frühen Jahre verbringen sie in ihrer Geburtsstadt Erlangen, bis dem Vater 1886 die Berufung zum Universitätsprofessor der Physik an die Münchner Universität ereilt und die Familie daraufhin in die bayerische Hauptstadt zieht. Während Friedrich noch die Schule besucht, wird die sechs Jahre ältere Lisbeth 1893 auf ein Mädcheninternat in England geschickt, um sich dort als Sprachlehrerin auszubilden. 1896 besteht sie ihr Examen als Lehrerin mit Bestnote – bereits hier verdeutlicht sich der Eifer, den Lisbeth Lommel besaß, hatte sie erst einmal für etwas Feuer gefangen. In Abwesenheit ihrer Mutter übernimmt Lisbeth den großen Haushalt und muss sich dabei besonders mit ihren beiden jüngeren Brüdern, Friedrich und Hermann, herumschlagen, die alles andere als Lernen und Schule im Sinn hatten. Die Sommermonate verbringt Familie Lommel meistens auf dem Land. Im Jahr 1877 sind sie infolgedessen zum ersten Mal in Aschau am Chiemsee. Während die Söhne tagelange Fußtouren auf die Kampenwand und durch das Gebirge unternehmen, müssen die Mädchen zuhause bleiben – sehr zum Verdruss von Lisbeth, die das Wandern in der weiten Natur liebte.

Das Jahr 1899 erwies sich schließlich als schweres Schicksalsjahr. Erst verstirbt der älteste Sohn Gottlieb im Frühjahr, dann kurz darauf der Vater. Lisbeth ist plötzlich dazu innegehalten, selbst Geld zu verdienen und nimmt eine Stellung als Erzieherin auf einem Gut an. In der Abendschule nimmt sie gemeinsam mit Friedrich Zeichenunterricht. Der 16-Jährige ist schon bald so davon angetan, dass er die Mutter um den Austritt aus dem Gymnasium bittet, um sogleich seinem neuen Berufswunsch Bildhauer zu folgen. Damit stößt er natürlich auf taube Ohren, doch ist es ihm erlaubt, während seiner schulischen Ausbildung im Atelier von Prof. Lang zu arbeiten und mit seiner Schwester einen Aktzeichenkurs zu besuchen.

Auch in Lisbeth Lommel ist der Wunsch entflammt, Malerin zu werden. Da Frauen an der Akademie der Bildenden Künste aber nicht studieren dürfen, nimmt Lisbeth 1901 das Studium an der „Damenakademie“ des Künstlerinnenvereins auf, an der zur gleichen Zeit Gabriele Münter eingeschrieben war. Unter gleichgesinnten Frauen blüht Lisbeth auf. Dies bemerkt auch ihre Mutter, die im Tagebuch festhält, dass ihre Tochter endlich „restlos glücklich“[5] ist. Im Jahr 1904 besteht Lisbeth das Examen zur Zeichenlehrerin und erhält eine Anstellung in einer Münchner Privatschule, die ihr viel freie Zeit zur eigenen Verwirklichung ermöglicht.

Im Jahr 1902 erlaubt die Mutter endlich auch Friedrich nach dem Abschluss seines Abiturs eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Basel und im folgenden Jahr das Studium an der Münchner Akademie. An dieser lernt er seine spätere Frau Paula Moll kennen, von der er sogleich eine Büste anfertigt. Früh vertraute man ihm Auftragsarbeiten an. Sein vorläufiges Meisterstück wird der Wittelsbacher-Brunnen in Bayreuth, nach dessen Fertigstellung er 1914 die Professorenwürde verliehen bekommt. Nun, mit dem nötigen finanziellen Einkommen ausgestattet, kauft er noch im selben Jahr ein Anwesen in Otterkring bei Prien, auf dem er auch nicht vor landwirtschaftlichen Tätigkeiten zurückschreckt. Lisbeth Lommel erwirbt selbst erst im Jahr 1922 ein Austragshäusl im Geigereck auf der Ratzinger Höhe, nicht weit vom Haus ihres jüngeren Bruders entfernt. Die Abgeschiedenheit und Nähe zur Natur sind für die bescheidene Künstlerin das größte Glück: „Ich glaube manchmal in einem Traumland zu sein.“[6] Hier – direkt auf der Ratzinger Höhe – findet sie den motivischen Mittelpunkt ihres Schaffens. Ihre Anstellung in München gibt sie schon bald auf, da sie 1924 als Zeichenlehrerin in der Priener Mittelschule angenommen wird. Dort erhält sie ein geringeres Gehalt, muss sich aber auch nicht mehr „zutot plagen in diesen vollgestopften Klassen“[7] in München. Auch Friedrich schätzt sein ländliches Leben sehr. Die Anfrage für einen akademischen Lehrauftrag an der Technischen Hochschule in Aachen 1920 weist er deshalb zurück. Stattdessen plant er mit seinen befreundeten Künstlerkollegen die Gründung der Künstlervereinigung „Die Welle“, die 1922 in Prien mit der Ausstellungshalle an den Schären in die Tat umgesetzt wird und für die er eigens Karyatiden und Wandreliefs fertigt. Zudem organisiert er mit großem Eifer die Ausstellungen, zu der er auch immer wieder seine Schwester bewegt. 1926 übernimmt er schließlich die Bildhauerklasse an der Münchner Kunstgewerbeschule.

„Ich habe mich immer als Impressionistin verstanden, wenn man mich schon auf eine Malrichtung festlegen will.“[8] Den tiefsten Eindruck hatte Vincent van Gogh auf die junge Künstlerin ausgeübt, der sie nachhaltig prägte. Doch ging es für Lisbeth Lommel stets um die eigene intensive Auseinandersetzung mit der Landschaft, um jedes Detail und zur gleichen Zeit um die Natur in ihrer Gesamtheit und Weite. Ihre Begeisterung für die Natur berichtet sie an ihren älteren Bruder August: „Wallende Nebel, kernige Luft und immer diese unendliche Weite“[9] und „auch das ausgereifte Grün mit leisem Goldton […] ist unbeschreiblich schön“[10]. Es scheint wenig verwunderlich, diese Motive und Töne in ihren Werken stets aufs Neue anzutreffen. Den Mittelpunkt ihres Schaffens stellt aber das Licht dar, dessen Bedeutung sich in jedem Pinselstrich manifestiert. „Fräulein Lommel musiziert in Farben“, bekundete der Maler Wilhelm Maxon.[11]

Demgegenüber steht das Schaffen Friedrich Lommels, für den nicht die Farbe ausschlaggebend war, sondern viel mehr die Materialität seiner Werke. Für ihn war die unterschiedliche Wirkung entscheidend, die sich in den unzähligen Möglichkeiten – von der Bronze, zum Marmor, über Sandstein und Terrakotta bis zum Holz – verbarg und die er alle einzusetzen wusste. Seine Vielseitigkeit zeigt sich aber auch an der Fülle unterschiedlicher Anwendungsweisen. So schuf er sowohl Kleinplastiken, Porträtbüsten und große Einzelfiguren, als auch Architekturskulpturen, Reliefs, Wandornamente und Grabmäler. Vieles fertigte er als Auftragsarbeiten an, wie beispielsweise Kriegerdenkmäler in Bremen und Nürnberg, Kreuzigungsgruppen für Altäre oder die Hl. Katharina für den Marktbrunnen in Prien. Friedrich Lommel orientierte sich bei seiner Arbeit mehr an der klassischen Skulptur und entwickelte hieraus seine eigene Formensprache, die jedoch nie in eine moderne Abstraktion abwich. Friedrich Lommel erlangte überregionale Bekanntheit und erhielt zahlreiche Aufträge. Dies verhinderte Lisbeth Lommels Bescheidenheit, doch ihre Bilder sprechen für sich.

Franz E. Gailer M.A.

[1] Berta Lommel: Leben und Werk von Lisbeth Lommel 1877 – 1970, Prien 1977, S.8.
[2] Ebd.
[3] Ebd., S. 23.
[4] Ebd., S. 24.
[5] Ebd., S.7.
[6] Ebd., S. 9.
[7] Ebd., S. 15.
[8] Ebd., S. 22.
[9] Ebd., S.14.
[10] Ebd.
[11] Ebd., S. 25.

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