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Ihre süddeutsche Galerie für den Kauf und Verkauf von Elisabeth Croissant

Elisabeth Croissant

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Elisabeth Croissant

1903 München - 1997 Prien

"Die Kunst von Elisabeth Croissant ist zerbrechlich. Das Risiko, das sie hätte eingehen müssen, um mehrere ihrer Bilder gleichzeitig in der Öffentlichkeit zu zeigen, war ihr immer zu groß. Ein Zwang zur Vermarktung ihrer Arbeiten bestand nicht. Deshalb haben selbst Liebhaber ihrer Hinterglasbilder keine abgerundete Vorstellung von ihrem Werk. [...]

Erst an der Seite ihres Mannes, des Landschaftsmalers Eugen Croissant, den sie 1943 im Bombenhagel in München heiratete, habe sie wirklich zu malen begonnen, sagt sie. Aber, der Malerei verschrieben hatte sich Elisabeth Croissant von Anbeginn. Um 1923 bezog sie, aufgewachsen in München im künstlerisch aufgeschlossenen Haus ihres Vaters, des Architekten Carl Jäger, die Akademie. Nachdem sie ein Jahr lang in der Klasse von Prof. Becker-Gundahl vorwiegend alte Männer zeichnen mußte, wechselte sie zu Prof. Karl Caspar, dessen Klasse als »fortschrittlich« galt. Prof. Caspar ließ auch Begabungen, die seiner eigenen Richtung nicht entsprachen, großzügig gewähren. Es sammelten sich daher bei ihm die verschiedensten Talente. Hier begegnete die Malerin zum ersten Mal ihrem späteren Mann. Nach etwa zwei Jahren verließ sie die Akademie.

Eine große Herausforderung für die junge Künstlerin bedeutete 1928 der Auftrag zur Ausstattung eines Kinderzimmers auf dem Luxusdampfer Europa. Es waren zwei langgestreckte Wandbilder über einem halbhohen Sockel. Ein Zauberer in seinem Zelt bildete das zentrale Motiv des einen, das andere entwickelte sich um ein Karussel. Die Kinder in diesem Karussel ritten auf echten Tieren, die ganz freiwillig um die Karusselsäule liefen. Das Besondere an dieser Kinderbildidee ist das unmerkliche Vermischen von Möglichem (Karussel) mit dem Traum (von den echten Tieren), das der kindlichen Logik entspricht. Die liebenswürdigen Kindergestalten der Europa-Bilder sind die lebhafteren Vettern und Kusinen der »Wurzelkinder« der Sybille von Olfers.

Nach dem 2. Weltkrieg arbeitete die Künstlerin die Motive von der Europa als Holzschnitte wieder auf. Gestalten von eindrucksvoller Statur wie der Rübezahl mit der Figur eines Hamburger Hafenarbeiters treten neben die Kindergestalten, die sich gestrafft haben und an Zeitnähe gewonnen haben. Die dargestellten Situationen sind pointierter, ausgereifter. Und immer bildet das Zusammenwirken von Möglichem und Traum den »Witz« der Darstellungen, zu denen meist ein spaßiger Reim gehört.

Bedeutete das Leben an der Seite ihres Mannes einerseits Ansporn zur Malerei, so war Elisabeth Croissant andererseits bemüht eine mögliche Konkurrenzsituation mit dem Maler zu vermeiden. Also: Kein Aquarell, auch nicht Öl auf Leinwand. Da kam ihr zufällig ein Kalender mit Abbildungen von alten Hinterglasgemälden in die Hände. Die jüngere Hinterglasmalerei steht im Ruche des Kunsthandwerklichen. Die Volkskunst hat sich die Leuchtkraft ihrer Farbigkeit, die so unmittelbar anspricht, zunutze gemacht. Das Malen hinter Glas erfordert jedoch, daß der im Ölbild letzte Arbeitsgang, das Auftragen von Lichtern und Schatten als erster, noch vor den Formen erfolgen muß, an denen die Reflexe des Lichts anliegen sollen. Dann erst kommen die Figuren und Gegenstände, schließlich der Hintergrund. Die Erschwernis, die sich aus der Umkehr der gewohnten Reihenfolge ergibt, hat dazu geführt, daß sich traditionell ein umrißbetonter, zeichnerischer Stil mit der Glasmalerei verbunden hat.

W. Kandinsky und Gabriele Münther nutzten die Hinterglasmalerei für ihre expressionistischen und abstrakten Kompositionen, bei denen Zeichnung und Farbigkeit der Gründe weitgehend voneinander abgelöst hintereinander aufgetragen sind. Anders die Bilder von Elisabeth Croissant. Eben die Probleme, die sich aus der oben geschilderten Umkehrung der Malschichten ergeben, scheinen sie nicht abgehalten zu haben, ihre Bildformen plastisch durchzugestalten. Die Greifbarkeit und das sanfte Schwellen ihrer Früchte, die Durchformung der Gegenstände sind ein wichtiges Element ihrer Stilllebenmalerei. Die frühen Darstellungen verleugnen ihre Verbindung zum Konstruktivismus und der Malerei der Neuen Sachlichkeit nicht: Die Gegenstände sind klar begrenzt und von einander abgesetzt (wobei sich die kraftvolle Schönheit und Sicherheit von E. Croissant Formengestaltung entfaltet); die Farben an Gründen und Gegenständen werden aus satter Fülle zu Helligkeit entwickelt, die gelegentlich zur Farblosigkeit gesteigert ist; das glatte Halbieren der Birne, das ihre »Konstruktion« anschaulich macht; die Ernsthaftigkeit mit der ein Fensterkreuz seinen Schließmechanismus vorweist; die Daunenkissenwölkchen, die hinter Fensterglas vorschweben.

Das Format wählte die Künstlerin zwischen klein und mittelgroß. Ihre Motive haben nichts Ungewöhnliches: Katzen, Fische, Vögel manchmal auf einem Obstkorb. Die Früchte sind nicht ausgefallen - es sind Äpfel, Weintrauben, Pflaumen, Tomaten, Birnen, mal eine Quitte. Ihre Erlesenheit entfaltete sie in der Form. Die Birne - sie ist auf allen Bildern von der gleichen schlanken Sorte - entwickelt im anmutigen Schwung ihres Konturs, der leichten Wölbung des Bauches, die am Hals der Frucht noch einmal nachklingt, ihre Vollendung. Die Gefäße sind einfach, ein blaugeränderter Emaillteller, der gerade japanische Krug, ein hellblauer kleiner Milchkrug, keine Kostbarkeiten, nichts Feines, Dünnwandiges, jedoch sicher proportioniert. Sie haben nichts Zufälliges, sie kommen in den Bildern von Elisabeth Croissant häufiger vor, sind erprobt, vertraut. So der Korb, dessen Geflecht sich zu lösen beginnt. Mal dient er als Wohnsitz für eine Katzenfamilie, dann trägt er Äpfel, dann wieder verschiedene mild leuchtende Früchte. Schließlich, über die Jahre hinweg entwickelt er sich zu einem ausdrucksvoll-groben Flechtwerk, das die wiederborstige Kraft zusammengezwungener Weidenruten spüren läßt.

Ist ein Bild endgültig fertig, so besitzt seine Komposition die Leichtigkeit des Selbstverständlichen. Der Weg dorthin ist lang. Er führt über mehrere Variationen seines Themenkreises. Die Komposition muß sich manchmal im Wegsehen entwickeln, braucht Zeit. Das Ergebnis, die vollendetsten der Hinterglasbilder von Elisabeth Croissant vermitteln davon die ruhige, heitere Schönheit, die ohne Hast gereift ist."

Nagia Knott

(Literatur: Kat. Ausst. "Elisabeth Croissant. Hinterglasbilder", hrsg. v. Prien, o. J.)

Josua und Kaleb ⋅ um 1950 Image
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