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Sperl Johann

Johann Sperl

Johann Sperl
1840 Buch bei Nürnberg - 1914 Bad Aibling

Verbunden in inniger Freundschaft

"Wiederholt wurde die Ansicht geäußert, "Der Sommertag bei Kutterling" zähle zu den neun Gemälden, in denen, erst aus Not später aus innerem Antrieb heraus, Leibl die Personen und Sperl die Landschaft gemalt haben. Jedoch, in dem Frühsommer 1904, in dem dieses Bild entstand, lebte Leibl schon nicht mehr. Auch in der Anordnung hätten bei einer gemeinsamen Arbeit die Personen einen ganz anderen Rang in der Komposition eingenommen.

Leibl hat Sperl immer wieder zu den großen Meistern der deutschen Landschaftsmalerei gezählt. Das Kutterlinger Bild gehört mit zu dem Spätwerk, das in dieser Landschaft entstanden ist und Sperl den Platz in der deutschen Kunstgeschichte sichert. Das Leben dieses Malers führt zum Verständnis seiner Kunst und Person. Dabei ist keineswegs selbstverständlich, was Sperl ausgezeichnet hat: die Übereinstimmung von Charakter und künstlerischem Werk. Er kam scheinbar arm zur Welt. Der Vater arbeitete als Holzhacker und Nachtwächter zuweilen am Tag und bei Nacht. Zu den frühen Kindheitserinnerungen gehörte der Karren, den die Mutter und der Bub auf den Gemüsemarkt nach Nürnberg zogen. Trotz einer heute kaum mehr vorstellbaren Not war das Kind mit einer Mitgift ausgestattet, die sich als unverlierbar erweisen sollte. Die künstlerische Begabung hätte Sperl befähigt, sorglos zu leben, wenn er dem Geschmack seiner Zeit gefolgt wäre. Denn, was er bei Ramberg, der die liebenswürdige Wiener Art in die Münchner Malerei eingeführt hat, lernte, war gefragt. Es war das Genre, harmonische Tonmalerei erzählenden Stils, die Kunst, eine Anekdote oder Handlung ins Bild zu setzen und damit zu unterhalten. Es war eine, an den Ansprüchen der guten Stube orientierte, keineswegs "brotlose Kunst".

Viele "Sperl" der frühen Zeit wurden nach Amerika verkauft, was noch nichts über ihren künstlerischen Wert aussagt. Es waren virtuos gemalte Bilder, deren Gehalt damals schon die Landschaft und das Interieur, nicht die Personen bestimmten. Sperl wäre nicht "der Sperl" geworden, den Leibl in der Landschaftsdarstellung neben sich gestellt hat, wenn ihn die doch sehr marktorientierte Malerei ausgefüllt hätte. Der Entschluß, den illustrativen Rambergschen Stil aufzugeben, war folgenschwer. Nur der später, auch in unserem Bild erreichte malerische Reichtum wiegt ihn auf, denn Sperl verliert nicht nur Publikum und Kunsthandel, er büßt sein Vermögen ein und gerät in eine materielle Not, die ihn krank werden läßt. Leibl holt den Freund zurück aufs Land, beide trennt später nur noch der Tod. Trotzdem, es ist nicht abwägbar, wer von dem anderen mehr empfangen hat, wieviele Bilder von Leibl ohne Sperls Einfluß anders ausgefallen oder gar nicht entstanden wären, den "dat Männecken" war Leibls gutes Geist. Sperl hätte wiederum allein vermutlich nicht zur Jagd gefunden. Auf der Pürsch lernte er die genaue Beobachtung, die scheinbach nebensächlichen Dinge zu entdecken, so daß er nicht auf eine bewegte oder dramtische Szenerie, wie sie die Alpen bilden, angewiesen ist. Seine Farben werden heller, verlieren das Dunkel der Niederländer. Auch die Freundschaft mit Liebermann übt noch ihren Einfluß aus.

Die Mädchen im "Sommertag bei Kutterling" bilden keine Staffage mehr, die Landschaft ist alles andere als "unbelebte Natur". Es findet sich in dem Bild kein Detail, das kompositionell oder in der Durchzeichnung abfallen würde. Nichts ist stilisiert. Das Bild vermittelt die Stunde, das Summen in der Wiese, es hat den Duft des Tages. Sperl hat in seinen späten Bildern (1900-1910) malerisch etwas immer Seiendes eingebracht. Der Augenblick des Erlebens, den ursprünglich nur er gehabt hat, ist gegenwärtig, er ist der Freude an der Schöpfung entsprungen."

Hans Heyn

(Aus: Heyn, Hans: Süddeutsche Malerei. aus dem bayerischen Hochland. Das Inntal, der Chiemgau und das Berchtegadner Land in bildnerischen Zeugnissen, Rosenheim 1979, S. 116.)

Geschwisterpaar mit Truthahn

Geschwisterpaar mit Truthahn ⋅ um 1882

Öl auf Leinwand ⋅ 31,5 x 22 cm

Blumenstillleben

Blumenstillleben ⋅ 1887

Öl auf Leinwand ⋅ 37 x 20,5 cm

Sommertag

Sommertag ⋅ um 1881/82

Öl auf Leinwand ⋅ 44 x 56 cm

Kinder mit Gänsen und Küken

Kinder mit Gänsen und Küken ⋅ um 1882

Öl auf Leinwand ⋅ 32 x 24 cm

Obstbaumgarten im Frühling

Obstbaumgarten im Frühling ⋅ um 1887

Öl auf Leinwand ⋅ 62 x 51 cm

Blumensträußchen

Blumensträußchen ⋅ um 1890

Öl auf Papier auf Karton ⋅ 24,2 x 19,2 cm

Heimkehr von der Hirschjagd am Petersberg

Heimkehr von der Hirschjagd am Petersberg ⋅ um 1898

Aquarell, Deckfarben ⋅ 11,2 x 9,2 cm

Bewachsener Abhang

Bewachsener Abhang ⋅ um 1900

Öl auf Leinwand ⋅ 45 x 54,5 cm

Mutter und Kind

Mutter und Kind ⋅ um 1895

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 19 x 24,5 cm

Blumen am Wegrand

Blumen am Wegrand ⋅ um 1882

Öl auf Leinwand ⋅ 36 x 32 cm

Kartoffelernte

Kartoffelernte ⋅ um 1872

Öl auf Holz ⋅ 32 x 23,5 cm

Mädchen im Grünen

Mädchen im Grünen ⋅ um 1886

Öl auf Leinwand auf Holz ⋅ 27,5 x 17 cm

Frühling bei Litzldorf

Frühling bei Litzldorf ⋅ um 1903

Öl auf Leinwand ⋅ 51 x 65 cm

Der Liebesbrief

Der Liebesbrief ⋅ um 1882/85

Öl auf Holz ⋅ 21,5 x 16 cm