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Müller-Schnuttenbach Hans

Hans Müller-Schnuttenbach

Hans Müller-Schnuttenbach
1889 München - 1973 Rosenheim

Die Kinder des Autodidakten

Dem ewig lockenden Weiberrocke ist Hans Müller-Schnuttenbach, wie viele seiner Zunftkollegen, nie verfallen. Er war ein Junggeselle von Kopf bis Fuß. Nahezu asketisch lebte er allein für die Kunst. „Für andere G’schichten“(1), so der Künstler, blieb keine Zeit. Unermüdlich verfolgte er das Bestreben, in seiner Kunst „[…] alles Mittelmäßige auszumerzen […]“(2). Perfektion galt ihm nicht als Ideal, sondern als erreichbaren Zustand. Hierzu war er „[…] täglich unverdrossen auf Motivjagd im Freien“(3). Er verfolgte die rasch wechselnden Stimmungen, prüfte jedes Detail und suchte die Essenz des unmittelbaren Geschehens zu erfassen. Für Müller-Schnuttenbach war die Natur seine Lehrmeisterin. Autodidaktisch machte er sie sich zu Eigen.

„Zu jeder Tages- und Jahreszeit findet man ihn draußen; wetterfest ausgerüstet trotzt er jeder Witterung, scheut weder Sturm noch Regen und Kälte.“(4) Unentwegt durchwanderte der am 24. Juli 1889 in München geborene Künstler seine bayrische Heimat. Aber nicht das Gebirge, das bayrische Meer oder bekannte, bayrische Landschaftspanoramen weckten sein künstlerisches Interesse. Müller-Schnuttenbach erhob in seinen unzähligen, kleinformatigen Werken die leisen und stillen Winkel der Natur zum Bildmotiv. Das vermeintlich Unscheinbare – ein knorriger Baum, ein einfacher Gartenzaun, wildes Gestrüpp oder ein kleiner Bachlauf – faszinierte ihn. Mit Vorliebe wählte er die Gouache, das Tempera oder das Aquarell, nur selten die langsame Ölmalerei, um vor Ort seine Eindrücke festzuhalten. Seine lockere und unverkennbare Zeichentechnik lässt alle seine Arbeiten filigran und überaus modern erscheinen. Überdies erwächst in ihnen eine bestechend atmosphärische Dichte, die 1943 mit dem Leibl-Sperl-Preis der Stadt Rosenheim gewürdigt wurde.

Früh entbrannte in ihm der Wunsch, Zeichenlehrer zu werden. So wagte er nach dem Studium der Gebrauchsgrafik und Buchausstattung an der Kunstgewerbeschule und der Technischen Hochschule in München die staatliche Aufnahmeprüfung. Doch bescheinigte man ihm dort nur die Note Befriedigend – unzureichend für die gewünschte Anstellung. Fortan verdingte er sich als freischaffender Künstler. Doch obwohl er bereits zeitlebens sowohl bei Kunstrezipienten, als auch bei Kunstschaffenden hohes Ansehen genoss, besaß Müller-Schnuttenbach nur geringe finanzielle Mittel. Von „seine[n] Kinder[n]“(5), wie er seine Gemälde nannte, konnte er sich einfach nicht trennen. Erst mit dem Leibrentenvertrag, den er 1950 mit der Stadt Rosenheim schloss und durch den er eine mietfreie kleine Wohnung samt Verpflegung und Betreuung erhielt, hatte er die Sorglosigkeit zurückerlangt, die er für sein Schaffen stets ersehnte. Als Gegenleistung erhielt die Stadt seinen gesamten Nachlass, der sich aus 1400 Gemälden und Zeichnungen zusammensetzte – eine Investition und Verpflichtung zugleich.

Obgleich Müller-Schnuttenbach ein ausdauernder Eigenbrötler war, wurde er doch als Gast gern gesehen und verbrachte zusammen mit seinen Malerkollegen Sepp Hilz, Hermann Urban, Leo von Welden und Brynolf Wennerberg im ehemaligen Café Rupp in Bad Aibling viele vergnügliche Stunden. Er war eben eine ganz besondere Persönlichkeit, die man erst einmal kennenlernen musste. Einfach war dies nicht. „Für andere G’schichten“(6) - fern der Kunst - blieb einfach keine Zeit.

Hans Müller-Schnuttenbach verstarb am 28. November 1973 in Rosenheim.

Franz Emanuel Maria Gailer

1) Hans Heyn: Die heile Welt des Müller-Schnuttenbach, in: Oberbayerisches Volksblatt (24.07.1969).
2) Franz Kreim: Müller-Schnuttenbach. Ein bayerischer Landschafter, Rosenheim 1984, S. 8.
3) Ebd., S. 7.
4) Ebd.
5) Fritz Aigner: Maler am Chiemsee, Prien 1983, S. 328.
6) Hans Heyn: Die heile Welt des Müller-Schnuttenbach, in: Oberbayerisches Volksblatt (24.07.1969).

Max-Josefs-Platz in Rosenheim im Schneetreiben

Max-Josefs-Platz in Rosenheim im Schneetreiben

Tempera ⋅ 30,3 x 23 cm

Partie aus Rosenheim

Partie aus Rosenheim

Tempera ⋅ 22 x 28,7 cm

Obstgarten im Februar

Obstgarten im Februar ⋅ um 1955

Tempera ⋅ 17,5 x 27,3 cm

Wintertag

Wintertag ⋅ um 1945

Tempera ⋅ 14 x 18 cm

Zigeunerwagen unter Bäumen

Ziegeunerwagen unter Bäumen

Tempera ⋅ 22 x 29 cm

Winter

Winter

Tempera ⋅ 13,5 x 17,5 cm