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Maier-Erding Hiasl

Hiasl Maier-Erding

Hiasl Maier-Erding
1894 Erding - 1933 München

Eine echte bayerische Malernatur

"Im Jahr 1894 wird dem Wirt zum »Kirmeier« in Erding ein zweiter Sohn geboren, über den sich der Vater bald ärgert und künstlerisch interessierte Leute sich wundern. Mit dem sprichwörtlichen Hausverstand begabt, bestimmt der Wirt: der Hiasl soll Bäcker werden, weil die Leute einen Wirt, einen Metzger und einen Bäcker immer brauchen. Der Hiasl indes hat, man weiß nicht, woher, eine ganz andere Mitgift erhalten. Das Drängen, Eindrücke bildnerisch festzuhalten, zwingt ihn auf einen Weg, den er über einen Umweg erreicht. Der Lehrbub des Dekorationsmaler Schöberl in Prien malt, wenn er Zeit hat, Chiemseelandschaften auf Pappdeckel. Er findet Käufer und in der Äbtissin von Frauenchiemsee eine Anhängerin seiner Kunst. Es ist unbestritten, Hiasl Maier ist ein Naturtalent. Hinter vermeintlicher Bauernschläue verbirgt sich Intelligenz, die ihn bald die Grenzen eines nur autodidakt Schaffenden erkennen läßt. Es ist sein Bruder Franz, der Metzger, der ihn bestärkt zu studieren. [...] Aber weder die Strenge der Münchner Kunstgewerbeschule noch die Lehrweise von Karl Raupp und Angelo Jank an der Akademie taugen dem Achtzehnjährigen. Erst mit Becker-Gundahl stößt er, wie später in dem Chiemseemaler Joseph Wopfner, auf Künstler, die ihn fördern. [...] Der Maler, der von sich sagte: »Ich male im Dialekt«, malt künftig bayerischen und deutschen Hochadel. Er kommt 1918 an den Amsterdamer Hof, Königin Wilhelmine empfängt ihn. »Ich werde Prinz Hendrik und andere hohe Viecher malen. Ich werde Euch Ehre machen«, schreibt er nach Hause. In Wirklichkeit hat er Heimweh. Er kehrt an den Chiemsee zurück und schafft, obwohl er das 40. Jahr nicht erreicht, ein Oeuvre, von dem er sagt: »Meine Bilder sind Wechsel auf lange Zeit!«"

Hans Heyn

(Aus: Hans Heyn: Süddeutsche Malerei. aus dem bayerischen Hochland. Das Inntal, der Chiemgau und das Berchtegadner Land in bildnerischen Zeugnissen, Rosenheim 1979, S. 152.)



Eine echte bayerische Malernatur war er, der Hiasl Maier-Erding. Seine markant, kernigen Aussprüche vermochten so manchem Hochgeborenem vor den Kopf gestoßen haben, doch brachte man seiner ehrlichen, erheiternden Art auch große Sympathie entgegen. Viele gemeinsame Stunden verbrachte er mit Kronprinz Rupprecht von Bayern. Beim Kartenspielen fiel schon mal der Satz: „Aber gell, Majestät, b’schissn wird fei net.“(1) Die Anekdoten über den urwüchsigen Bayer sind zahlreich.

Trotz seines hohen Selbstbewusstseins, das er auch gegenüber seinen Kollegen zeigte – gegenüber Gerhardinger ist der Ausspruch verbürgt: „Meine Buida san Praliné und vor dene host dein Huat abz’nehma, dös merkst dir!“(2) – blieb er doch stets bodenständig, porträtierte die Menschen seiner Umgebung und wohnte ab 1919 auf dem Dachboden des Huber-Bauern in Gstadt. Der Chiemsee stellt das Zentrum seiner landschaftlichen Motivwahl dar, indessen wagte er jedoch auch einige Abstecher.  Die lockere, unbeschwerte Malweise des Künstlers, dessen Handschrift markant hervorsticht, erzeugte in seinen Schöpfungen ein atmospährisches Pulsieren. Ein prächtiges Farbenspiel erstreckte sich über seine Himmel. Goldglänzend erstrahlen dort die Wolken im Licht der Sonne oder hüllen sich in lilafarbene Schatten, derer man bereits bei Claude Monet (1840-1926) ansichtig wird. Deutlich spricht die impressionistische Auffassung Maier-Erdings aus dem Werk. Es ist eine stimmungsvolle, poetische Darstellung, die die Frage aufwirft, was der Künstler mit der Aussage „[…] ich kann nur im Dialekt malen“(3) ausdrücken wollte. Vielleicht darf man es im Sinne Emil Thoma’s (1869-1948) verstehen: „Malerei ist ein Stück Natur durch ein Temperament gesehen.“(4)

Franz Emanuel Maria Gailer

1) Fritz Aigner: Hiasl Maier-Erding. Sein Leben und sein Werk, 1894-1933, Prien 1983, S. 242.
2) Ebd., S. 268.
3) Kat. Ausst. "Kunstausstellung 1973. Hiasl Maier-Erding, 1894-1933)", hrsg. v. Stadt Erding, Erding 1973, o.S.
4) Gabriele Morgenroth: Die Welle. Eine Künstlervereinigung in Prien am Chiemsee von 1922-1934, Textband, Unveröffentlichte Magisterarbeit, Salzburg 1996, S. 194.

Moosstimmung am Chiemsee (bei Übersee)

Moosstimmung am Chiemsee (bei Übersee) ⋅ 1915

Öl auf Leinwand ⋅ 55 x 68 cm

Blick vom Balkon auf die Fraueninsel

Blick von Balkon auf die Fraueninsel ⋅ um 1925

Öl auf Leinwand ⋅ 58 x 88 cm

Alte Weide auf Frauenchiemsee

Alte Weide auf Frauenchiemsee ⋅ 1925

Öl auf Leinwand ⋅ 42 x 52 cm

Plätte am Chiemsee

Plätte am Chiemsee ⋅ 1917

Öl auf Karton ⋅ 29 x 38 cm

Fraueninsel

Fraueninsel ⋅ um 1930

Öl auf Leinwand ⋅ 58 x 88 cm

Beim

Beim "Grünäugl" in Gstadt ⋅ 1926/27

Öl auf Leinwand ⋅ 73 x 90 cm

Auf der Fraueninsel

Auf der Fraueninsel ⋅ 1925

Öl auf Leinwand ⋅ 65 x 80 cm

Chiemsee

Chiemsee ⋅ 1907

Öl auf Leinwand ⋅ 25 x 42 cm

Picknick an der Alz

Picknick an der Alz ⋅ 1915

Öl auf Leinwand ⋅ 60 x 60 cm

Laterne mit Haferl und Zwiebeln

Laterne mit Haferl und Zwiebel ⋅ um 1930

Kohle, weiß gehöht ⋅ 38 x 42 cm

Baumgruppe im Harrasser Moor

Baumgruppe im Harrasser Moor ⋅ 1919

Öl auf Leinwand ⋅ 40,5 x 54,5 cm

Rosenheim im Winter

Rosenheim im Winter ⋅ um 1928

Öl auf Leinwand ⋅ 54 x 73 cm

Chiemsee mit Fraueninsel

Chiemsee mit Fraueninsel ⋅ 1926

Öl auf Karton ⋅ 36,5 x 38,5 cm

An der Münchener Brücke in Erding

An der Münchener Brücke in Erding ⋅ 1915

Öl auf Holz ⋅ 37 x 36 cm

An der Sempt in Altenerding

An der Sempt in Altenerding ⋅ 2016

Öl auf Leinwand ⋅ 40 x 45 cm

Der Huber-Bauer

Der Huber-Bauer ⋅ 1925

Öl auf Leinwand ⋅ 62 x 50 cm

Dorfstraße in Gstadt am Morgen

Dorfstraße in Gstadt am Morgen ⋅ 1928

Öl auf Leinwand ⋅ 73 x 103 cm

Ein Blaßl und eine Weißente

Ein Blaßl und eine Weißente ⋅ 1926

Öl auf Holz ⋅ 47,5 x 58,5 cm

Festlicher Blumenstrauß

Festlicher Blumenstrauß ⋅ 1917

Öl auf Leinwand ⋅ 45 x 40 cm